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UNTER FREUNDEN. HANS-JOACHIM STUCK IM INTERVIEW.

Er gehört zu Deutschlands erfolgreichsten Rennfahrern und nicht erst seit unserem Porsche Classic Empfang auch zum Freundeskreis des Porsche Zentrum Bensberg. Hans-Joachim „Strietzel“ Stuck war in vielen Rennserien zu Hause. Seine Karriere prägten Langstreckenrennen  wie die 24-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring, die 12-Stunden-Rennen von Sebring und nicht zuletzt die 24 Stunden von Le Mans, die er als Werkspilot für Porsche im legendären Rothmans Porsche zweimal hintereinander gewann.

Strietzel, du bist eine der größten Legenden im Motorsport. Wie kam es zu deinen Anfängen im Rennsport und hattest du zuvor einen anderen Berufswunsch?
Die Liebe zum Motorsport wurde mir ja bereits durch meinen Vater in die Wiege gelegt. Von klein an erlebte ich mit, wie im Hof unseres Hauses an Rennwagen gebastelt wurde, und war somit ins Renngeschehen quasi hineingeboren. Obwohl ich als Junge zwischenzeitlich einmal Priester werden wollte (lacht), war bald klar, dass ich in die Fußstapfen meines Vaters treten würde.

Man kann sagen: Der Erfolg gibt dir Recht. Welche Momente deiner Karriere bedeuten dir heute am meisten?
Der Gewinn der FIA-Sportwagen Weltmeisterschaft 1985 mit Partner Derek Bell mit dem legendären Rothmans Porsche 962 C gehört noch heute zu meinen persönlichen Lieblingsmomenten. Als erfolgreicher Rennfahrer sollte man zumindest einmal den Grand Prix von Monaco, die 500 Meilen von Indianapolis oder das 24-Stunden-Rennen von Le Mans gewonnen haben. Da bin ich mit zwei Siegen in Le Mans doch ganz gut aufgestellt.

Durch deine Begeisterung haben sich auch deine beiden Söhne für den Motorsport entschieden. War das dein Wunsch oder mehr ein Zufall?
Erst einmal schien es sich ganz anders zu entwicklen. Johannes, mein Ältester, war als Teenager sehr erfolgreich im Golfsport und auf Skiern unterwegs. So wurde er sogar als erster „Nicht-Schweizer“ Zugang in die Schweizer Ski-Jugendmannschaft aufgenommen. Umso mehr war ich überrascht, als er mit 16 Jahren auf mich zukam, um mit dem VW Lupo Cup doch in den Motorsport einzusteigen. Mein Jüngster, Ferdinand, hingegen war schon mit neun Jahren nicht mehr zu bremsen. Er fuhr damals schon im Bambini Kart in Italien. Der Gewinn der Deutschen GT-Meisterschaft 2011 auf dem Lamborghini Gallardo war bisher das Highlight der beiden Lausbuben.
 
2011 hast du offiziell deinen Helm an den Nagel gehängt. War das leicht für dich?
(Protestiert.) Nein, wirklich an den Nagel gehängt habe ich ihn nie. Nach meinem ersten Rennen auf dem Nürburgring im Jahr 1969 habe ich meine offizielle Rennkarriere 2011 auf derselben Strecke mit meinen beiden Söhnen abgeschlossen. Es war ein großer Augenblick, nach vier Dekaden Motorsport zusammen mit meinen Buben mit dem 24-Stunden-Rennen meine Karriere zu beenden. Aber obwohl ich seitdem nicht mehr mit den jungen Wilden um jede zehntel Sekunde kämpfe, bin ich noch immer unheimlich nah dran. Zum einen bin ich als Motorsport-Repräsentant des VW Konzerns oft mitten im Geschehen, zum anderen freue ich mich, als Präsident des DMSB (Deutschen Motor Sport Bund) die weitere Entwicklung im Motorsport mit zu gestalten.
 
Das Design deines Helms ist und bleibt legendär. Hat es eine besondere Entstehungsgeschichte?

(Schmunzelt.) Nein. Nachdem wir über Jahre ohne Netz und doppelten Boden gefahren waren, teilweise nur im Hemd und ohne Gurte, kam 1974 die Revolution mit den Vollvisierhelmen. Mein erster kam in schlichtem Dunkelblau. Das war mir natürlich zu langweilig! Streifen mochte ich nie, also schnitt ich aus weißer Klebefolie Sterne aus. Der Wiedererkennungswert meiner spontanen Idee ist aber bis heute geblieben!
 
Viele der Sportwagen aus der damaligen Zeit finden sich heute als Raritäten unter den klassischen Automobilen. Welche Bedeutung hat der Bereich Porsche Classic für dich?

Klassische Automobile und deren Erhaltung hat natürlich auch im VW Konzern einen hohen Stellenwert. Für mich ist aus der Liebe zu meinen Renn- und Siegerwagen, ob VW, Audi oder Porsche, auch eine gewisse Verantwortung für diese Schmuckstücke geworden. Als ich vor zwei Jahren in einem Porsche 356 A die weltberühmte Mille Miglia in Italien fuhr und anschließend wieder in meinem neuen Porsche saß, dachte ich: 70 % dessen, was sich darin findet, braucht man nicht. Purer Luxus. Es ist faszinierend, wie präzise und performancestark bereits unsere Klassiker waren und noch immer sind. Diese Kunst der Konstrukteure, damals wie heute, begeistert mich.

Im Zusammenhang mit Porsche Classic hast du uns in diesem Jahr, zu unserem Classic Empfang und den Schloss Bensberg Classics, schon zwei Mal besucht. Was zieht dich ins Porsche Zentrum Bensberg?
Zu eurem Geschäftsführer Roman Konrads besteht ja schon lange ein freundschaftliches Verhältnis. Außerdem freue ich mich immer wieder zu sehen, wie viel Kompetenz, Leidenschaft und Team-Zusammenhalt bei euch gelebt wird. Die besondere Auszeichnung Porsche Classic Partner wurde euch vollkommen zu Recht verliehen. Natürlich seid ihr durch die Nähe zu den wichtigsten Classic Events, wie den Schloss Bensberg Classics oder Schloss Dyck, perfekt gelegen. Außerdem ist der Nürburgring nicht weit… und ihr habt den besten Espresso. (lacht)
 
Mal abgesehen von einem guten Espresso, was bewegt dich privat? Wie findest du deine Work-Life-Balance?
Auch privat spielt meine Affinität für Automobile eine große Rolle. Zuhause habe ich eine eigene kleine Werkstatt eingerichtet, in der ich an meinen Oldtimern schraube. Außerdem mag ich die Natur bei uns in Tirol, bin gerne draußen, vor allem um Golf zu spielen oder Ski zu fahren. Aber ich beobachte auch das Weltgeschehen, lese viel über aktuelle Wirtschaft und Politik, wie zum Beispiel die momentane Flüchtlingsthematik. Ich wusste schon immer zu schätzen, dass mein Leben vor allem von den Sonnenseiten geprägt war. Ich hatte das Glück, erfolgreich, glücklich und vor allem immer gesund zu sein. Es bedeutet mir viel, jetzt etwas zurückzugeben.
 
Lieber Strietzel, wir wünschen dir weiterhin viel Glück und Erfolg und danken dir für deine Zeit und das Interview.

UNTER FREUNDEN. HANS-JOACHIM STUCK IM INTERVIEW.